Zum Hauptinhalt springen
Medizinisches Controlling4 Min. Lesezeit

Die Prüfquote für 2027 entsteht jetzt

Die neuen Prüfquoten werden nicht nur erhöhte Kosten erzeugen, sondern auch wertvolle Zeit von der Patientenversorgung abziehen, es sei denn, Sie nutzen intelligente Dokumentationsautomatisierung

Dr. Sven Jungmann

Dr. Sven Jungmann

CEO

Ihre Ärztinnen und Ärzte haben nicht über sechs Jahre lang Medizin studiert, um zu Schreibkräften zu werden.

Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das das Bundeskabinett am 29. April 2026 beschlossen hat, verschärft der Gesetzgeber das Prüfquotensystem nach §275c SGB V. Was in der öffentlichen Berichterstattung bislang als „mehr MD-Prüfungen" zusammengefasst wird, ist operativ etwas anderes. Es lohnt, sich die Mechanik genau anzusehen, solange sich noch etwas bewegen lässt.

Die niedrigste Prüfquote von fünf Prozent erreicht ein Krankenhaus heute mit mindestens 60 Prozent unbeanstandeter Abrechnungen. Ab dem 1. Januar 2027 verschiebt sich diese Schwelle auf 80 Prozent. Die Maximalprüfquote für Häuser mit weniger als 60 Prozent unbeanstandeter Abrechnungen steigt von 15 auf 25 Prozent. Das BMG kalkuliert mit jährlichen Einsparungen von 1,6 Milliarden Euro, ausdrücklich zu Lasten der Krankenhausseite. Eine Personalkostenkompensation für die zusätzliche Bearbeitung ist nicht vorgesehen.

Die sektorweite Beanstandungsquote liegt seit Jahren bei rund 50 Prozent. Die meisten Häuser werden zum Stichtag also nicht in der geschützten 80-Prozent-Zone landen, sondern in der mittleren oder oberen Prüfstufe.

Was das operativ bedeutet, lässt sich an einer einfachen Rechnung zeigen. Ein Haus mit 30.000 abgerechneten Fällen pro Jahr liegt bei einer Prüfquote von fünf Prozent bei rund 1.500 Falldialogen jährlich. Bei 15 Prozent sind es 4.500. Bei 25 Prozent 7.500. Pro Vorgang lässt sich konservativ ein Aufwand von drei Stunden ansetzen — Aktenrecherche, medizinische Begründung, formale Antwort. Der Sprung von der niedrigsten in die mittlere Stufe entspricht 9.000 zusätzlichen Personenstunden pro Jahr; der Sprung von der niedrigsten in die höchste Stufe rund 18.000. Das sind, umgerechnet auf eine deutsche Vollzeitstelle von etwa 1.700 produktiven Stunden im Jahr, zwischen fünf und zehn zusätzliche Vollzeitstellen, die an keiner Patient:in arbeiten.

Der Stichtag ist der 1. Januar 2027. Die Daten, die diese Einstufung bestimmen, entstehen aber schon jetzt: Die Auswertung erfolgt quartalsweise, und das Quartal Q4 2026 ist die Datenbasis für die Einstufung im ersten Quartal 2027. Wer im Sommer 2026 nichts ändert, hat im Januar 2027 keine Hebel mehr.

Die naheliegenden Antworten greifen nicht. Personell ist der Markt leer; Codierfachkräfte und erfahrene Medizincontroller:innen sind nicht in der nötigen Geschwindigkeit zu rekrutieren. Schulungsprogramme erreichen einen Teil des ärztlichen Personals, decken aber selten die Stellen ab, an denen Dokumentationslücken systematisch entstehen — Übergaben, Verlegungen, Aufnahmen am Wochenende. Reaktive Bearbeitung erst im Falldialog ist zu spät: Was zum Zeitpunkt der Anfrage nicht in der Akte steht, lässt sich Monate nach der Entlassung selten belastbar ergänzen.

Die belastbare Antwort liegt früher. Beanstandungen entstehen nicht zufällig, sie folgen wiederkehrenden Mustern, und die Muster sind in der Branche bekannt: Nebendiagnosen ohne dokumentierte Schweregradkriterien, OPS-Voraussetzungen, die erbracht, aber nicht prüffest abgelegt sind, Aufwandsindikatoren bei komplexen Behandlungen, die in der Verlaufsdokumentation untergehen, Verlegungs- und Entlassberichte mit Bezugspunkten, die bei der Übergabe nicht geschlossen werden. Wer diese Muster vor dem Verlassen der Klinik schließt, verschiebt die Beanstandungsquote stufenweise — nicht in homöopathischen Dosen.

Gestatten, Deutschlands teuerste Schreibkraft.
Gestatten, Deutschlands teuerste Schreibkraft. ·aiomics

aiomics arbeitet an genau dieser Stelle. Die Plattform liest die Behandlungsdokumentation laufend mit, identifiziert die Stellen, an denen die für eine spätere Prüfung relevanten Belege fehlen oder nicht zusammenhängend abgelegt sind, und macht sie für Ärzt:innen und Medizincontrolling sichtbar — bevor der Fall abgerechnet wird. Konkret: Eine dokumentierte Nebendiagnose ohne Begründung im Verlauf wird markiert. Eine OPS-Position, deren Voraussetzungen nicht prüffest belegt sind, wird markiert. Ein Verlegungs- oder Entlassbrief mit Bezugspunkten, die in der Akte nicht zu finden sind, wird markiert.

Was schätzen Sie, wie viel Zeit Ihr ärztliches Personal 2027 mit Bürokratie verbringen wird?
Was schätzen Sie, wie viel Zeit Ihr ärztliches Personal 2027 mit Bürokratie verbringen wird? ·aiomics

Die ärztliche Verantwortung bleibt dabei vollständig beim Arzt. Die Plattform übernimmt die systematische Sichtung; die Entscheidung, ob und wie eine Lücke geschlossen wird, trifft das medizinische Personal. Wenn ein Falldialog später dann doch geführt wird, liegt der zugehörige Beleg bereits in der Akte, und der Antwortentwurf lässt sich aus den vorhandenen Daten zusammenstellen, statt aus dem Stand erarbeitet zu werden.

Die Plattform ist in akut- und rehabilitationsmedizinischen Einrichtungen produktiv im Einsatz, weitere Pilotierungen starten.

Die operative Frage ist nicht, ob das BStabG Bürokratie schafft. Das hat selbst der Medizinische Dienst Bund in seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf festgehalten. Die operative Frage ist, in welcher Prüfstufe Ihr Haus zum 1. Januar 2027 steht. Die Antwort darauf entsteht in den Abrechnungsdaten der nächsten beiden Quartale.

Wenn Sie wissen wollen, wo die Beanstandungen in Ihrem Haus heute clustern und wie weit Sie von der 80-Prozent-Schwelle entfernt sind: ein Termin reicht. Wir sehen uns Ihre Zahlen an, wir besprechen Ihre Prozesse mit Ihnen und bieten Ihnen gerne einen unverbindlichen einmonatigen Pilot an, bei dem Sie kostenfrei die Lösung testen können. Eine Implementierung im klassischen Sinne ist hierfür nicht notwendig.

#Medizinisches Controlling #Medizinischer Dienst # §275c SGB V#Prüfquote #GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz#Falldialog#Vollprüfung

Weiterlesen

Wie hoch ist Ihr Aufwand, um eine Patientin aufzunehmen?
Aufnahmemanagement

10 zu 1 — die Schattenarbeit, die niemand misst

Auf jede aufgenommene Reha-Patient:in kommen ungefähr zehn Anfragen, die das Haus nie belegt. Die meisten Kliniken kennen die Zahl nicht. Sie kennen sie auch deshalb nicht, weil bislang nichts an ihr zu ändern war.

Dr. Sven JungmannCEO

Sie möchten das in Ihrer Klinik sehen?

30 Minuten. Ihre Fragen. Unser Arzt-Gründer zeigt Ihnen die Plattform persönlich.

Termin vereinbaren

Unverbindlich. Kein Vertrieb. Arzt zu Arzt.