KTL 2025 auf KTL 2026 mappen: Welche Code-Klassen sich verschoben haben
Seit dem 1. Januar 2026 ist die überarbeitete Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL) der Deutschen Rentenversicherung (DRV) in Anwendung.

Dr. Sven Jungmann
CEO

Es ist Mitte Mai 2026. Im Medizincontrolling einer Reha-Klinik in Mittelhessen sitzt die zuständige Codiererin vor einer geöffneten Mapping-Tabelle: links die Codespalte des Q1-2026-Berichts ihres Hauses, rechts die DRV-Veröffentlichung zur Klassifikation therapeutischer Leistungen 2026. Daneben das Update-Paket-Handbuch der Codier-Software, das die Software-Anbieter im Dezember 2025 ausgeliefert hatten. Die KTL 2026 ist seit dem 1. Januar in Anwendung; das Update wurde administrativ vollzogen, die Vorlagen-Felder wurden umgestellt. Was im Mai aufkommt, ist eine andere Frage. An welchen Stellen tragen die Q1-Berichte die Verschiebung sauber — und an welchen Stellen hängen Codes der Vorgängerfassung weiter im Vorlagen-System fest?
Vor der Sortierung ein Begriffs-Strich. Die Klassifikation therapeutischer Leistungen (KTL) ist die Codier-Klassifikation der DRV für therapeutische Leistungen in der medizinischen Rehabilitation. Sie ordnet die durchgeführte Therapie pro Fall in Codes ein und ist Bestandteil des DRV-Entlassberichts. Sie ist nicht der Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS): OPS schlüsselt Eingriffe und Prozeduren im akuten Krankenhaus, KTL klassifiziert therapeutische Leistungen in der Reha-Maßnahme. Beide Klassifikationen liegen organisatorisch und systematisch in getrennten Bereichen; eine Mapping-Diskussion zwischen KTL und OPS findet hier nicht statt. Die KTL hängt mit den Reha-Therapie-Standards (RTS) zusammen — die RTS sind die indikationsbezogenen Empfehlungen der DRV zur Therapie-Intensität, die KTL ist die Codierung dessen, was tatsächlich erbracht wurde.
Fünf Code-Klassen tragen die Verschiebung
Die DRV-Materialien zur KTL 2026 lassen sich für die Mapping-Praxis in fünf Code-Klassen sortieren. Erste Klasse: der onkologische Therapie-Bereich. Der RTS Onkologie ist als eigener indikationsbezogener Standard hinzugekommen. Damit erhält die onkologische Reha-Versorgung erstmals eine eigene Therapie-Bereich-Linie in der KTL — Bewegungstherapie unter onkologischer Auflage, Lymphdrainage, ergotherapeutische Begleitung, psychoonkologische Gesprächs-Module sind als eigener Block strukturiert. In der Vorgängerfassung wurden onkologische Anteile häufig in der zugrunde liegenden orthopädischen oder internistischen Indikation mitkodiert, was die onkologische Spezifik der Maßnahme in der Codespalte unsichtbar machte.
Zweite Klasse: die Funktions-Defizit-Erfassung im indikationsübergreifenden Block. Die Rahmenempfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) ordnen die Funktions-Defizit-Erfassung als Eingangsbefund nach der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit (ICF) — Körperfunktionen, Aktivitäten, Teilhabe. Die KTL 2026 nimmt diese Linie auf: die indikationsübergreifenden RTS empfehlen eine schärfer akzentuierte Eingangsbefund-Erfassung entlang der ICF-Achsen, an die die Therapie-Auswahl im Verlauf besser anschließen kann. In der Codier-Praxis bedeutet das nicht zwingend neue Codes — es bedeutet, dass die Codes des Verlaufs an einen Eingangsbefund anschließen, der die ICF-Linie konkreter ausweist als zuvor.

Dritte Klasse: die umnummerierten Therapie-Bereichs-Sortierungen. Innerhalb mehrerer Therapie-Bereiche sind einzelne Code-Gruppen neu sortiert, einzelne Codes umnummeriert. Die Therapie-Inhalte sind unverändert; die Position des Codes im Klassifikations-Aufbau ist verschoben. Diese Klasse ist in der täglichen Codier-Praxis die häufigste — und zugleich die mechanischste. Die Mapping-Tabellen der Software-Anbieter haben das Update in Q4 2025 weitgehend übersetzt; die Frage in den Q1-2026-Berichten ist nicht, ob die Übersetzung stimmt, sondern ob die Vorlagen-Felder der Berichts-Erstellung die neuen Code-Positionen sauber ansprechen. Wo der Vorlagen-Editor einer Software einen alten Code-Pfad weiter verlinkt, taucht der alte Code in einzelnen Berichten weiter auf — sichtbar erst in der Quartalsstichprobe.
Vierte Klasse: zusammengefasste und gestrichene Codes. In einzelnen Therapie-Bereichen sind mehrere Codes der Vorgängerfassung verschmolzen oder entfallen. Hier liegt das eigentliche Mapping-Risiko: die einfache Code-zu-Code-Übersetzung versagt, wenn aus drei Codes der KTL 2025 einer in der KTL 2026 wird oder wenn ein Code ohne Nachfolger gestrichen wird. Die Software-Anbieter haben die Verschmelzungen in den Update-Paketen abgebildet; die Q1-2026-Berichte zeigen aber bei einigen Häusern, dass die Verschmelzung in der Vorlagen-Auswahl nicht durchgehend trägt. Wo der Vorlagen-Editor noch beide Vorgänger-Codes als Auswahl anbietet, bleibt die Frage offen, welcher der beiden Pfade tatsächlich genommen wird — und ob die Codierung der nächsten Wochen den verschmolzenen Code dann konsistent abbildet.
Fünfte Klasse: die Berichts-Verzahnung. Die KTL-Codespalte im Entlassbericht ist enger an die Verlaufs-Beschreibung gekoppelt. Eine Berichterstattung bei medconweb zur KTL-2026-Übergangs-Praxis ordnet diese Verzahnung als die unterschätzte Veränderung ein. Die Berichterstattung ist Fachpresse, keine DRV-amtliche Auskunft; die operative Konsequenz hängt von der jeweiligen Software-Vorlage und der hauseigenen Berichts-Disziplin ab. Wo die Codespalte aus einem getrennten Verarbeitungs-Pfad kommt, taucht sie im Entlassbericht ohne den Verlaufs-Anker auf, an dem sie inhaltlich Halt finden würde — die Mapping-Tabelle hilft hier nichts, weil die Trennung nicht in der Code-Übersetzung liegt, sondern in der Berichts-Architektur.
Hinweise zur Software-Konfiguration
Die Mai-2026-Stichprobe am eigenen Berichts-Bestand folgt einer einfachen Logik: nicht die Code-Liste insgesamt prüfen, sondern an drei Stellen im Vorlagen-System ansetzen. Erste Stelle: die Therapie-Bereich-Auswahl-Liste im Vorlagen-Editor. Zeigt sie für die onkologische Reha eine eigenständige Linie, oder werden onkologische Anteile weiterhin unter der Hauptindikation eingegeben? Wo der Editor noch der alten Logik folgt, wandert die onkologische Spezifik weiter in den orthopädischen oder internistischen Codier-Pfad — und bleibt in der Codespalte unsichtbar. Zweite Stelle: die Eingangsbefund-Felder des Aufnahmeberichts. Sind die ICF-Achsen Körperfunktionen, Aktivitäten, Teilhabe als Pflicht-Felder hinterlegt, oder bleibt der Eingangsbefund ein Freitext-Block? Drittens: die Codespalten-Anbindung im Entlassbericht-Vorlagen-Bauplan. Steht die Codespalte in einer eigenständigen Sektion, oder ist sie an die Verlaufs-Sektion angebunden?
Die Qualitätssicherungs-Geschäftsberichte des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK) 2024–2025 halten Codier-Lückenhaftigkeit als wiederkehrenden Befund in den Stichproben der vergangenen Jahre fest — vor der KTL-2026-Umstellung. Diese Befunde sind Stichproben-Beobachtungen aus dem privaten Reha-Sektor, keine Vollerhebung; die Übertragbarkeit auf einzelne Häuser ist nicht eins zu eins. Was sich aus ihnen für die Mapping-Praxis ableiten lässt, ist eine Lese-Richtung. Die Stellen, an denen Codier-Lückenhaftigkeit auftaucht, sind selten Software-Fehler — sie sind Vorlagen-Konfigurations-Stellen, an denen die Auswahl mehrere Pfade zulässt und die Codier-Praxis im Haus den Pfad nicht konsistent ansteuert.

Die Mapping-Qualität entsteht stromaufwärts
Hinter den fünf Code-Klassen liegt eine architektonische Linie, die sich in der Codier-Schicht nicht reparieren lässt. Die onkologische Linie ist in der KTL 2026 nur dann eigenständig codierbar, wenn der Aufnahmebericht die onkologische Versorgung bereits als eigene Linie ausweist — nicht als Begleit-Information zur orthopädischen oder internistischen Hauptindikation. Die ICF-orientierte Funktions-Defizit-Erfassung ist im KTL-Verlauf nur dann argumentativ tragfähig, wenn der Eingangsbefund die Achsen Körperfunktionen, Aktivitäten, Teilhabe konkret ausführt — nicht in Stichworten, sondern in einer Form, die die Therapie-Auswahl der mittleren Wochen einer Maßnahme begründet. Die Codespalten-Verzahnung im Entlassbericht gelingt nur, wenn die Verlaufs-Doku in der Mitte der Maßnahme die Funktions-Veränderung benennt, an der die Codes Halt finden. Die Mapping-Tabelle übersetzt Codes — sie übersetzt keine Berichts-Disziplin. Die Klinik, die ihre Codier-Tiefe an der KTL 2026 misst und in einzelnen Berichts-Korridoren unter den Vorjahres-Werten liegt, sucht den Befund häufig zuerst an der Codier-Software; häufig liegt er stromaufwärts an der Aufnahme-Stelle. Aiomics ist am Codier-Arbeitsplatz nicht anwesend, beobachtet die Linie aber aus der Position der Aufnahme-Architektur — die Mapping-Qualität wird nicht in der Code-Übersetzungs-Tabelle entschieden, sondern in der Disziplin, mit der der Eingangsbefund die Linien trennt, an denen die Codespalte später Halt finden soll.

Im Mai 2026 die Mapping-Lage des eigenen Hauses zu prüfen, heißt drei konkrete Lese-Stellen im Q1-Berichts-Bestand zu öffnen. Erste Stelle: die onkologischen Reha-Fälle der ersten vier Monate. Ist die onkologische Versorgung als eigene Codespalten-Linie ausgewiesen, oder läuft sie als Anhang zur Hauptindikation mit? Zweite Stelle: die Aufnahmeberichte indikationsübergreifend. Trägt der Eingangsbefund die ICF-Achsen konkret aus, oder bleibt er in Stichworten? Dritte Stelle: die Codespalten in den fertigen Entlassberichten. Stehen sie isoliert oder mit dem Verlaufs-Block verbunden? Drei Lese-Aufgaben am eigenen Bestand, jede in wenigen Stunden zu erledigen — und für die Codier-Qualität der nächsten Quartale tragender als eine weitere Codenummern-Schulung am Codier-Arbeitsplatz. Die KTL 2026 ist keine Kosmetik-Anpassung; fünf Code-Klassen tragen die Verschiebung, drei davon — Onkologie-Linie, ICF-Eingangsbefund, verschmolzene Codes — verlangen Mapping-Entscheidungen, die sich nicht in der Übersetzungs-Tabelle erledigen. Wer im Mai die Lage prüft, blickt deshalb nicht zuerst auf die Klassifikations-Broschüre, sondern auf die Vorlagen-Konfiguration der eigenen Codier-Software und auf die Aufnahme-Disziplin der vergangenen vier Monate. Dort ist das, was die Codespalte im nächsten Quartal tragen wird, schon entschieden — bevor das nächste Update-Paket den nächsten Übergang ankündigt.
Der Beitrag bezieht sich auf öffentliche Materialien zur KTL-2026-Umstellung: DRV-Veröffentlichungen zur Klassifikation therapeutischer Leistungen 2026 und zu den Reha-Therapie-Standards, den DRV-Reha-Bericht 2025, BDPK-Geschäftsberichte zur Qualitätssicherung in der Reha sowie Fachpresse-Beiträge bei medconweb. Der Beitrag gibt keine Codier-Auslegung im Einzelfall, keine RTS-Auslegung pro Indikation und keine produktbezogene Empfehlung — die Codier-Verantwortung im Haus bleibt beim Medizincontrolling und bei der ärztlichen Direktion. Aiomics ist am Codier-Arbeitsplatz nicht anwesend; die Beobachtung zur Aufnahme-Disziplin am Schluss ist eine architektonische Einordnung, keine produktbezogene Aussage.


