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Qualität & ForschungForschung

Sepsisqualität aus Abrechnungsdaten: Welche Verzerrungen sind belegt?

Eine deutsche Validierungsstudie fand große Unterschiede in der Erfassung von Sepsis. Die Daten stammen aus 2015–2017 und erlauben keine pauschale Bewertung heutiger Qualitätsvergleiche.

Geltungsbereich

Deutsche retrospektive Validierungsstudie; Daten 2015–2017, zehn Krankenhäuser, stationäre Fälle ab 15 Jahren.

Einordnung

Schwarzkopf und Kolleg:innen verglichen Abrechnungsdaten mit einer strukturierten Aktenprüfung für 10.334 stationäre Fälle aus zehn deutschen Krankenhäusern. Untersucht wurden Patient:innen ab 15 Jahren, behandelt zwischen 2015 und 2017. Je nach Sepsisdefinition lag die Sensitivität der Kodierung bei 26,8 bis 38 Prozent. Die Erfassung unterschied sich deutlich zwischen den Häusern.

Beleg: [1]

Was die Quelle zeigt

Die aus Abrechnungsdaten berechnete risikoadjustierte Sepsissterblichkeit korrelierte auf Krankenhausebene kaum mit dem Ergebnis aus der Aktenprüfung; berichtet wurde r = 0,09. Damit zeigt die Studie ein konkretes Messproblem für die damaligen Daten und Definitionen. Sie erlaubt keine pauschale Aussage über jede heutige Kennzahl oder einzelne Klinik.

Beleg: [1]

Was die Quelle zeigt

Als redaktionelle Konsequenz empfiehlt sich vor einem internen Vergleich eine Prüfung der Fallabgrenzung. Eine gezielte Aktenstichprobe sollte auch Fälle enthalten, bei denen klinische Hinweise vorliegen, aber keine entsprechende Kodierung erfasst wurde. Maßgeblich für Kodierung und Dokumentation bleiben die Regeln des jeweiligen Behandlungsjahres. Ein Vergleich sollte Veränderungen der Erkennung, Dokumentation und Verschlüsselung sichtbar machen.

Beleg: [1]

Für die Fallbearbeitung

Redaktionelle Anwendungshinweise aus den oben genannten Quellen.

  1. Datenjahr, Sepsisdefinition und verwendete Kodeliste zum Ergebnis angeben.
  2. Klinische Dokumentation und Abrechnungsdaten anhand eines vorher festgelegten Stichprobenplans vergleichen.
  3. Eine neue Kodeliste oder verbesserte Erfassung als möglichen Bruch der Zeitreihe dokumentieren.

Grenzen der Aussage

  • Die Untersuchung ist keine Evaluation des aktuellen Qualitätssicherungsverfahrens und keine Kodieranleitung. Geänderte Definitionen und Kodes begrenzen die Übertragung auf heutige Daten.

Quellen & Fundstellen

Die Fundstellen zeigen, worauf sich die Einordnung stützt.

  1. Infection; Nachweis in PubMed · Forschung · 09.09.2023
    Schwarzkopf und Kolleg:innen: Verzerrungen der Sepsiserfassung durch ungenaue Kodierung

    Zusammenfassung: Methoden und Ergebnisse; Zeitschriftenausgabe 2024, Band 52, Seiten 413–427; DOI 10.1007/s15010-023-02091-y Stichprobe, Erhebungszeitraum, Sensitivität und geringe Übereinstimmung der risikoadjustierten Krankenhaussterblichkeit.

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