Wann trägt eine Ernährungsbeurteilung die Kodierung einer Mangelernährung?
Risikoerfassung, Diagnose und Katalogkriterien nachvollziehbar auseinanderhalten.
Geltungsbereich
Stationäre Kodierung im Krankenhaus: spezielle Kodierrichtlinien und die einschlägige Jahresfassung prüfen.
Risiko und Diagnose
Eine auffällige Risikoerfassung führt zunächst zur vertieften Ernährungsbeurteilung. Die S3-Leitlinie 2025 für ältere Personen empfiehlt diesen Ablauf ausdrücklich, auch bei Übergewicht. Festzuhalten sind unter anderem Gewichtsverlauf, Nahrungsaufnahme, mögliche Ursachen, Diagnose, Maßnahmen und deren Wirkung. So bleibt nachvollziehbar, ob ein Risiko, eine diagnostizierte Mangelernährung oder beides die Behandlung geprägt hat.
Beleg: [2]
Diagnosekriterien nach GLIM
Der GLIM-Konsens verlangt mindestens ein körperliches und ein ursachenbezogenes Kriterium. Körperliche Kriterien sind ungewollter Gewichtsverlust, niedriger Körpermassenindex oder verringerte Muskelmasse; ursachenbezogene Kriterien sind verminderte Nahrungsaufnahme beziehungsweise -verwertung oder Entzündung beziehungsweise Krankheitsbelastung. Die Aktualisierung 2025 bestätigt diese Kombination. Sie rät wegen begrenzter Aussagekraft davon ab, niedriges Serumalbumin als Mangelernährungsmerkmal zu verwenden. Erfüllte Kriterien und Messverfahren sollten aus der Diagnosebegründung hervorgehen.
Beleg: [3]
Vorgaben der ICD-10-GM
Für die Verschlüsselung bleibt der ICD-10-GM-Wortlaut maßgeblich. E40 bis E46 enthalten eigene Hinweise und Schweregraddefinitionen. Der Katalog erläutert insbesondere, dass eine einzelne Gewichtsmessung ohne weitere klinische Befunde oder Laborergebnisse keine endgültige Diagnose trägt. Ein bestimmter Wert aus einer Risikoerfassung lässt sich deshalb nicht unmittelbar in E43 oder E44 übersetzen; die gewählte Kategorie benötigt eine nachvollziehbare Übereinstimmung mit ihren Vorgaben.
Beleg: [1]
Kachexie gesondert prüfen
Für R64 Kachexie ist die eigenständige Schlichtungsentscheidung zur KDE 16 vollständig heranzuziehen. Dazu gehört ihre Fußnote für Fälle, in denen sich der Gewichtsverlust nicht feststellen lässt. Die Kategorie benötigt eine eigene Prüfung anhand der dokumentierten Befunde.
Beleg: [4]
Grenzen der Aussage
- Die zitierte S3-Leitlinie betrifft ältere Personen. Für andere Altersgruppen sind passende klinische Leitlinien hinzuzunehmen; eine automatische Zuordnung von GLIM-Schweregraden zu ICD-Kodes wird hier nicht behauptet.
Quellen & Fundstellen
Die Fundstellen zeigen, worauf sich die Einordnung stützt.
- ICD-10-GM 2026: E40 bis E46 ↗
2026; Gruppenhinweise E40–E46 sowie E43 und E44; Abgleich mit klinischen Kriterien redaktionell abgeleitet
- S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter ↗
Leitlinienfassung 2025; Zeitschriftenveröffentlichung am 23.06.2025, DOI 10.1055/a-2548-7209. Empfehlung 10 und Kommentar, gedruckte Seiten 229–230, PDF-Seiten 10–11, am 26.10.2026 in der Datei des AWMF-Registers abgeglichen. Der Austausch des defekten Verweises ist keine erneute Gesamtprüfung des Beitrags.
- GLIM-Konsens zur Diagnose der Mangelernährung: Aktualisierung nach fünf Jahren ↗
2025; Originalpublikation im Volltext gelesen; Titelübersetzung. Inhaltlich gemeinsam mit Clinical Nutrition veröffentlicht.; Einleitung, Absätze zum zweistufigen Verfahren und zu Serumalbumin; Tabelle 5; Dokumentationsfolgerung redaktionell
- Entscheidung des Schlichtungsausschusses zur KDE 16: Kachexie ↗
Entscheidung vom 30.09.2020; Seite 1: Entscheidung, einschließlich Fußnote; keine Übernahme der historischen Diskussion auf Seite 2
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- · Erstfassung mit Quellenabgleich. Unabhängige fachliche Freigabe steht aus.
- · Defekten Leitlinienverweis durch die geprüfte Fassung von 2025 beim AWMF-Register ersetzt und bibliografische Angaben berichtigt. Empfehlung 10 erneut abgeglichen; das Datum der Gesamtprüfung bleibt unverändert.