Welche Nachweise braucht die Sepsiskodierung bei Erwachsenen?
Infektion, akute Organdysfunktion und zeitlichen Beginn nachvollziehbar zuordnen.
Geltungsbereich
Stationäre Kodierung im Krankenhaus: spezielle Kodierrichtlinien und die einschlägige Jahresfassung prüfen.
Diagnose und Befundlage
Die S3-Leitlinie 2025 beschreibt Sepsis als akute lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Reaktion auf eine Infektion. Für die sepsisassoziierte Organdysfunktion verlangt sie einen Anstieg des SOFA-Werts um mindestens zwei Punkte. Für die Dokumentationsprüfung sollten deshalb Infektionsbefunde, betroffene Organfunktionen, Messzeitpunkte und die ärztliche Beurteilung ihres Zusammenhangs auffindbar sein. Ein auffälliges Früherkennungsverfahren allein beantwortet diese Diagnosefrage nicht.
Beleg: [3]
Passenden Kode auswählen
Bei der anschließenden Kodeauswahl sind Erreger und Besonderheiten des Falls zu berücksichtigen. A40 und A41 enthalten unterschiedliche Sepsiskodes und verweisen für stationäre Fälle auf die Deutschen Kodierrichtlinien. Eine Bakteriämie ohne nähere Angabe ist bei A41 ausdrücklich ausgeschlossen. Für Sepsis nach medizinischen Maßnahmen bestehen zusätzliche Hinweise; bei Neugeborenen sowie im Zusammenhang mit Schwangerschaft oder Geburt sind besondere Kategorien zu prüfen.
Beleg: [1]
Zeitlichen Beginn zuordnen
Bei vollstationär behandelten Erwachsenen verlangt die ICD-10-GM zusätzlich die zeitliche Zuordnung mit U69.80! bis U69.82!. Maßgeblich sind die ersten Symptome der Sepsis, bezogen auf die Aufnahme im kodierenden Krankenhaus: vor dem dritten Kalendertag, ab dem dritten Kalendertag oder zeitlich unklar. Bei septischem Schock kommen R57.2 und U69.83! bis U69.85! hinzu; hierfür zählt der Beginn der Schocksymptome. Beginnt der Schock später, können Sepsis und Schock unterschiedlich zugeordnet werden. Dokumentieren Sie daher beide Zeitpunkte gesondert. Die zeitliche Einstufung als im Krankenhaus erworben belegt für sich kein Behandlungsverschulden.
Beleg: [2]
Grenzen der Aussage
- Die Darstellung betrifft Erwachsene. Diagnosestellung, Hauptdiagnosenreihenfolge und Sonderfälle benötigen die fallbezogene ärztliche Beurteilung und die einschlägige Jahresfassung.
Quellen & Fundstellen
Die Fundstellen zeigen, worauf sich die Einordnung stützt.
- ICD-10-GM 2026: A40 und A41 ↗
2026; A40 und A41: Kodierhinweise, Ausschlüsse und Unterkategorien
- ICD-10-GM 2026: U69.80! bis U69.85! ↗
2026; U69.8-!, Hinweise und U69.80! bis U69.85!
- S3-Leitlinie Sepsis: Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge, Kurzfassung ↗
4.0, Stand 30.04.2025; Abschnitte 2.1 und 2.2, Seiten 9–11; Dokumentationshinweise aus diesen Voraussetzungen abgeleitet
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