Einordnung der Ergebnisse
- 0 Punkte
Regel negativ: kein Kriterium erfüllt
In der Validierungsstudie mit 2707 Erwachsenen (GCS 13 bis 15) hatte keine der 41 Personen mit neurochirurgischer Intervention und keine der 231 Personen mit klinisch relevanter Hirnverletzung eine negative Regel. Die unteren Grenzen der 95-%-Konfidenzintervalle der Sensitivität lagen bei 91 % und 98 %.
- 1–2 Punkte
Mittleres Risiko: nur Kriterien mittleren Risikos
Mindestens eines der beiden Kriterien mittleren Risikos ist erfüllt, keines der Hochrisikokriterien. Die Kriterien mittleren Risikos wurden für klinisch relevante Hirnverletzungen im CT abgeleitet. Mit ihnen lag die Sensitivität für diesen Endpunkt in der Ableitungsstudie bei 98,4 % (95-%-KI 96–99 %), die Spezifität bei 49,6 %; nach der Regel wären 54 % der Kohorte für ein CT ausgewählt worden.
- ab 10 Punkten
Hohes Risiko: mindestens ein Hochrisikokriterium
Die fünf Hochrisikokriterien zielen auf Verletzungen mit Bedarf an einer neurochirurgischen Intervention. In der Ableitungsstudie erkannten sie alle Patient:innen mit diesem Endpunkt; die untere Grenze des 95-%-Konfidenzintervalls der Sensitivität lag bei 92 %. Nach diesen fünf Kriterien allein wären 32 % der Kohorte für ein CT ausgewählt worden.
Einordnung nach Stiell 2001 [1]. Die Werte beschreiben Gruppen aus Studienkohorten, keine Vorhersage für eine einzelne Person.
Hintergrund
Die Regel hat zwei Stufen. Fünf Hochrisikokriterien wurden für den Bedarf an einer neurochirurgischen Intervention abgeleitet, zwei Kriterien mittleren Risikos für klinisch relevante Hirnverletzungen im CT. Die Ableitungsstudie bezeichnete den Endpunkt der Hochrisikostufe als Bedarf an einer neurologischen Intervention; das Regelblatt der Autor:innen und die Validierungsstudie sprechen von neurochirurgischer Intervention.
Die Regel vergibt keine Punkte. Für die Berechnung auf dieser Seite zählen Hochrisikokriterien je 10 und Kriterien mittleren Risikos je 1, damit die Stufe am Ergebnis ablesbar ist: Werte ab 10 bedeuten mindestens ein Hochrisikokriterium, Werte von 1 oder 2 ausschließlich Kriterien mittleren Risikos.
Die Ableitungsstudie umfasste 3121 Erwachsene; 8 % hatten eine klinisch relevante Hirnverletzung, 1 % benötigte eine neurologische Intervention. In der Validierungsstudie war die Regel bei Patient:innen mit GCS 15 spezifischer als die New Orleans Criteria, für die neurochirurgische Intervention mit 76,3 % gegenüber 12,1 %.
In einer clusterrandomisierten Studie an zwölf kanadischen Notaufnahmen senkte die aktive Einführung der Regel die Rate an CT-Untersuchungen nicht; übersehene Hirnverletzungen traten dabei nicht auf.
Grenzen
- Gilt nur innerhalb der Einschlusskriterien: GCS 13 bis 15 nach beobachteter Bewusstlosigkeit, eindeutiger Amnesie oder beobachteter Desorientierung. Ohne diese Symptome trifft die Regel keine Aussage.
- Laut Regelblatt nicht anwendbar bei Kindern unter 16 Jahren, GCS unter 13, Warfarin oder Gerinnungsstörung, offensichtlich offener Schädelfraktur und fehlendem Trauma. Die Einführungsstudie von 2010 schloss zusätzlich Patient:innen mit fokal-neurologischem Defizit oder Krampfanfall vor Eintreffen aus. Zu direkten oralen Antikoagulanzien liefern die Studien keine Daten.
- Die Anwendung erfordert Übung: In der Einführungsstudie wurde ein gefährlicher Unfallmechanismus häufig zu großzügig angenommen und ein GCS unter 15 nach zwei Stunden übersehen.
Quellen
- Stiell IG, Wells GA, Vandemheen K, Clement C, Lesiuk H, Laupacis A, et al. The Canadian CT Head Rule for patients with minor head injury. Lancet. 2001;357(9266):1391–1396.
- Stiell IG, Clement CM, Rowe BH, Schull MJ, Brison R, Cass D, et al. Comparison of the Canadian CT Head Rule and the New Orleans Criteria in patients with minor head injury. JAMA. 2005;294(12):1511–1518.
- Stiell IG, Clement CM, Grimshaw JM, Brison RJ, Rowe BH, Lee JS, et al. A prospective cluster-randomized trial to implement the Canadian CT Head Rule in emergency departments. CMAJ. 2010;182(14):1527–1532.