Einordnung der Ergebnisse
- 0 Kriterien
Regel negativ: kein Kriterium erfüllt
In der Validierungsstudie von 1993 erkannte die überarbeitete Regel alle 50 Frakturen der Knöchelregion und alle 19 Frakturen des Mittelfußes. Die Wahrscheinlichkeit einer Fraktur bei negativer Regel schätzten die Autor:innen auf 0 % (95-%-Konfidenzintervall 0–0,8 % für die Sprunggelenksserie, 0–0,4 % für die Fußserie).
- 1–5 Kriterien
Regel positiv: mindestens ein Kriterium erfüllt
Die Regel ordnet die Röntgenserie der Region zu, zu der das Kriterium gehört: Druckschmerz an Hinterkante oder Spitze eines Knöchels der Sprunggelenksserie, Druckschmerz an der Basis des fünften Mittelfußknochens oder am Os naviculare der Fußserie, fehlende Belastbarkeit der Serie der schmerzhaften Region. Die Übersichtsarbeit von 2003 beschreibt die Spezifität als mäßig.
Einordnung nach Stiell 1993 [2]. Die Werte beschreiben Gruppen aus Studienkohorten, keine Vorhersage für eine einzelne Person.
Hintergrund
Die Regeln bestehen aus zwei Teilen. Die Sprunggelenksregel gilt bei Schmerzen in der Knöchelregion und fragt nach Knochendruckschmerz an Hinterkante oder Spitze eines Knöchels und nach der Belastbarkeit. Die Fußregel gilt bei Schmerzen im Mittelfuß und fragt nach Knochendruckschmerz an der Basis des fünften Mittelfußknochens oder am Os naviculare und ebenfalls nach der Belastbarkeit. Als belastbar gilt, wer direkt nach dem Unfall oder bei der Untersuchung vier Schritte gehen kann.
Die 1992 abgeleitete Fassung enthielt für die Knöchelregion zusätzlich ein Alter ab 55 Jahren und für den Mittelfuß Druckschmerz am Os cuboideum; die Belastbarkeit gehörte dort noch nicht zur Fußregel. Die 1993 überarbeitete und validierte Fassung, die diese Seite abbildet, kommt ohne Alter und Os cuboideum aus.
In der Validierungsstudie schätzten die Autor:innen, dass die Regeln die Zahl der Röntgenaufnahmen um 34 % für die Sprunggelenksserie und um 30 % für die Fußserie verringern könnten. In einer Multicenterstudie an acht kanadischen Kliniken sank der Anteil der Patient:innen mit Röntgenaufnahme des Sprunggelenks nach Einführung der Regeln von 82,8 % auf 60,9 %; der Anteil der erst nach Entlassung festgestellten Frakturen lag bei 0,5 % vor und 0,4 % nach der Einführung.
Eine systematische Übersichtsarbeit von 2003 mit 27 Studien und 15 581 Patient:innen ergab gepoolte negative Likelihood-Quotienten von 0,08 für das Sprunggelenk und 0,08 für den Mittelfuß. Bei einer angenommenen Frakturprävalenz von 15 % entspricht das einer Frakturwahrscheinlichkeit unter 1,4 % bei negativer Regel.
Grenzen
- Die Originalstudien schlossen nur Erwachsene ein. Für Kinder ergab die Übersichtsarbeit von 2003 einen gepoolten negativen Likelihood-Quotienten von 0,07 für beide Regionen.
- Die Regel zielt auf klinisch bedeutsame Frakturen; in der Multicenterstudie von 1995 galten Frakturen mit mehr als 3 mm Breite als solche.
- Die Beurteilung von Druckschmerz und Belastbarkeit erfordert Übung. Für die ursprüngliche Fassung lag die Übereinstimmung zwischen Untersuchenden bei einem Kappa von 0,56 für die Sprunggelenks- und 0,69 für die Fußregel.
Quellen
- Stiell IG, Greenberg GH, McKnight RD, Nair RC, McDowell I, Worthington JR. A study to develop clinical decision rules for the use of radiography in acute ankle injuries. Ann Emerg Med. 1992;21(4):384–390.
- Stiell IG, Greenberg GH, McKnight RD, Nair RC, McDowell I, Reardon M, Stewart JP, Maloney J. Decision rules for the use of radiography in acute ankle injuries. Refinement and prospective validation. JAMA. 1993;269(9):1127–1132.
- Stiell I, Wells G, Laupacis A, Brison R, Verbeek R, Vandemheen K, Naylor CD. Multicentre trial to introduce the Ottawa ankle rules for use of radiography in acute ankle injuries. BMJ. 1995;311(7005):594–597.
- Bachmann LM, Kolb E, Koller MT, Steurer J, ter Riet G. Accuracy of Ottawa ankle rules to exclude fractures of the ankle and mid-foot: systematic review. BMJ. 2003;326(7386):417.