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SkalaPsychiatrie & Psychosomatik · Allgemeinmedizin

Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-9)

Schweregrad depressiver Symptome

Der PHQ-9 erfasst mit neun Fragen, wie häufig die neun Kriterien einer Major Depression nach DSM-IV in den vergangenen zwei Wochen aufgetreten sind. Kroenke, Spitzer und Williams haben ihn 2001 als Maß für den Schweregrad depressiver Symptome bei Patient:innen allgemeinmedizinischer und gynäkologischer Ambulanzen validiert.

Zu Lehr- und Informationszwecken. Kein Medizinprodukt, nicht zur Anwendung an Patient:innen bestimmt.

Diese Seiten erklären veröffentlichte klinische Scores und Formeln: Kriterien, Rechenweg, Einordnung durch die Originalquelle und Grenzen. Sie sind kein Medizinprodukt und nicht dafür bestimmt, Diagnosen zu stellen, Therapien auszuwählen oder Entscheidungen über einzelne Patient:innen zu treffen. Ergebnisse beschreiben Beobachtungen aus Studienkohorten. Die Inhalte wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und können Fehler enthalten.

Zweckbestimmung, Prüfstand und Haftung →

Anwendungsbereich laut Quelle

Untersuchte Gruppe Erwachsene Patient:innen aus acht allgemeinmedizinischen und sieben gynäkologisch-geburtshilflichen Ambulanzen (6000 Teilnehmende), von denen 580 zusätzlich ein strukturiertes Interview durch Fachkräfte für psychische Gesundheit erhielten.

Ausgeschlossen oder nicht übertragbar
  • Kinder und Jugendliche; für Jugendliche gibt es die eigens angepasste Fassung PHQ-A
Übungsfall: Erschöpfung in der Hausarztpraxis

Fiktiver Lehrfall

Eine 38-jährige Lehrerin berichtet, sie sei seit etwa einem Monat erschöpft und ziehe sich zurück. Im Fragebogen gibt sie an mehr als der Hälfte der Tage wenig Freude und Niedergeschlagenheit an, fast täglich Müdigkeit und an mehr als der Hälfte der Tage Konzentrationsprobleme. Schlafprobleme, Appetitveränderungen und eine schlechte Meinung von sich selbst bestehen an einzelnen Tagen. Verlangsamung oder Unruhe sowie Gedanken, lieber tot zu sein oder sich Leid zuzufügen, verneint sie.

Füllen Sie das Formular zuerst selbst aus. Danach können Sie Ihre Lösung mit der Musterlösung vergleichen.

Kriterien

Wenig Interesse oder Freude an Ihren Tätigkeiten

Bezugszeitraum: „Wie oft fühlten Sie sich im Verlauf der letzten 2 Wochen durch die folgenden Beschwerden beeinträchtigt?“

Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit
Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen, oder vermehrter Schlaf
Müdigkeit oder Gefühl, keine Energie zu haben
Verminderter Appetit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen
Schlechte Meinung von sich selbst; Gefühl, ein Versager zu sein oder die Familie enttäuscht zu haben
Schwierigkeiten, sich auf etwas zu konzentrieren, z. B. beim Zeitungslesen oder Fernsehen
Waren Ihre Bewegungen oder Ihre Sprache so verlangsamt, dass es auch anderen auffallen würde? Oder waren Sie im Gegenteil „zappelig“ oder ruhelos und hatten dadurch einen stärkeren Bewegungsdrang als sonst?
Gedanken, dass Sie lieber tot wären oder sich Leid zufügen möchten

Teil des Instruments. Das Handbuch zum Fragebogen wertet diese Frage zusätzlich zum Summenwert gesondert aus; eine Einschätzung stützt sich dort auf das klinische Gespräch.

Ergebnis Kriterien auswählen

Einordnung der Ergebnisse

  1. 0–4 Punkte

    Minimale depressive Symptomatik

    Unterhalb von 5 Punkten. In einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe lagen die Mittelwerte bei etwa 3 Punkten.

  2. 5–9 Punkte

    Leichte depressive Symptomatik

    Nach Kroenke und Kolleg:innen markieren 5 Punkte die Grenze zu einer leichten Ausprägung.

  3. 10–14 Punkte

    Mittelgradige depressive Symptomatik

    Ab 10 Punkten erkannte der Fragebogen in der Originalstudie eine Major Depression mit einer Sensitivität und Spezifität von je 88 %. Das Handbuch versteht diesen Wert als Hinweis auf eine möglicherweise klinisch bedeutsame Störung.

  4. 15–19 Punkte

    Ausgeprägte depressive Symptomatik

    Mit steigendem Wert nahmen in der Originalstudie Funktionseinschränkungen, Krankheitstage und Arztbesuche zu.

  5. 20–27 Punkte

    Schwere depressive Symptomatik

    Die höchste der vier Schweregradstufen nach Kroenke und Kolleg:innen.

Einordnung nach Kroenke 2001 [1]. Die Werte beschreiben Gruppen aus Studienkohorten, keine Vorhersage für eine einzelne Person.

Hintergrund

PHQ steht für Patient Health Questionnaire, im Deutschen Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D). Der PHQ-9 ist sein Depressionsteil. Die vier Antwortstufen zählen 0 bis 3 Punkte und ergeben eine Summe von 0 bis 27 Punkten.

Neben dem Summenwert beschreibt das Handbuch eine Auswertung nach Kriterien: Ein Syndrom einer Major Depression liegt danach vor, wenn Frage 1 oder 2 und mindestens fünf der neun Fragen mit „an mehr als der Hälfte der Tage“ oder häufiger beantwortet sind. Frage 9 zählt dabei, sobald sie überhaupt bejaht wird.

Die Zusatzfrage, wie sehr die Beschwerden Arbeit, Haushalt und den Umgang mit anderen Menschen erschweren, geht in keinen Punktwert ein. Das Handbuch beschreibt sie als Gesamteindruck der Patient:innen von ihrer Beeinträchtigung.

Löwe und Kolleg:innen prüften die deutsche Fassung an 501 ambulanten Patient:innen gegen das strukturierte klinische Interview für DSM-IV; für eine Major Depression schnitt der PHQ dabei besser ab als zwei Vergleichsfragebögen. In einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe mit 5018 Personen lag der Mittelwert bei Frauen bei 3,1 und bei Männern bei 2,7 Punkten; 5,6 % hatten mittelgradige bis schwere depressive Symptome.

Die Fragen 1 und 2 bilden die Kurzform PHQ-2 mit 0 bis 6 Punkten. Die Formulierungen folgen der deutschen Übersetzung, die auf der Website zum Fragebogen frei verfügbar ist; Vervielfältigung und Übersetzung bedürfen keiner Genehmigung.

Grenzen

  • Der Summenwert allein ergibt keine Diagnose. Für eine depressive Störung nennt das Handbuch zusätzlich den Ausschluss einer normalen Trauerreaktion, früherer manischer Episoden sowie körperlicher Erkrankungen, Medikamente oder Drogen als Ursache.
  • Nach dem Handbuch wurden nur wenige Übersetzungen gegen ein strukturiertes psychiatrisches Interview geprüft.
  • Körperliche Erkrankungen können die Antworten zu Schlaf, Müdigkeit, Appetit und Konzentration beeinflussen.

Quellen

  1. Kroenke K, Spitzer RL, Williams JBW. The PHQ-9: validity of a brief depression severity measure. J Gen Intern Med. 2001;16(9):606–613.

    Originalpublikation

  2. Löwe B, Spitzer RL, Gräfe K, Kroenke K, Quenter A, Zipfel S, et al. Comparative validity of three screening questionnaires for DSM-IV depressive disorders and physicians' diagnoses. J Affect Disord. 2004;78(2):131–140.

    Validierung

  3. Kocalevent RD, Hinz A, Brähler E. Standardization of the depression screener Patient Health Questionnaire (PHQ-9) in the general population. Gen Hosp Psychiatry. 2013;35(5):551–555.

    Validierung

  4. Kroenke K, Spitzer RL, Williams JBW, Löwe B. The Patient Health Questionnaire Somatic, Anxiety, and Depressive Symptom Scales: a systematic review. Gen Hosp Psychiatry. 2010;32(4):345–359.

    Übersicht

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