Einordnung der Ergebnisse
- 0–4 Punkte
Minimale depressive Symptomatik
Unterhalb von 5 Punkten. In einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe lagen die Mittelwerte bei etwa 3 Punkten.
- 5–9 Punkte
Leichte depressive Symptomatik
Nach Kroenke und Kolleg:innen markieren 5 Punkte die Grenze zu einer leichten Ausprägung.
- 10–14 Punkte
Mittelgradige depressive Symptomatik
Ab 10 Punkten erkannte der Fragebogen in der Originalstudie eine Major Depression mit einer Sensitivität und Spezifität von je 88 %. Das Handbuch versteht diesen Wert als Hinweis auf eine möglicherweise klinisch bedeutsame Störung.
- 15–19 Punkte
Ausgeprägte depressive Symptomatik
Mit steigendem Wert nahmen in der Originalstudie Funktionseinschränkungen, Krankheitstage und Arztbesuche zu.
- 20–27 Punkte
Schwere depressive Symptomatik
Die höchste der vier Schweregradstufen nach Kroenke und Kolleg:innen.
Einordnung nach Kroenke 2001 [1]. Die Werte beschreiben Gruppen aus Studienkohorten, keine Vorhersage für eine einzelne Person.
Hintergrund
PHQ steht für Patient Health Questionnaire, im Deutschen Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D). Der PHQ-9 ist sein Depressionsteil. Die vier Antwortstufen zählen 0 bis 3 Punkte und ergeben eine Summe von 0 bis 27 Punkten.
Neben dem Summenwert beschreibt das Handbuch eine Auswertung nach Kriterien: Ein Syndrom einer Major Depression liegt danach vor, wenn Frage 1 oder 2 und mindestens fünf der neun Fragen mit „an mehr als der Hälfte der Tage“ oder häufiger beantwortet sind. Frage 9 zählt dabei, sobald sie überhaupt bejaht wird.
Die Zusatzfrage, wie sehr die Beschwerden Arbeit, Haushalt und den Umgang mit anderen Menschen erschweren, geht in keinen Punktwert ein. Das Handbuch beschreibt sie als Gesamteindruck der Patient:innen von ihrer Beeinträchtigung.
Löwe und Kolleg:innen prüften die deutsche Fassung an 501 ambulanten Patient:innen gegen das strukturierte klinische Interview für DSM-IV; für eine Major Depression schnitt der PHQ dabei besser ab als zwei Vergleichsfragebögen. In einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsstichprobe mit 5018 Personen lag der Mittelwert bei Frauen bei 3,1 und bei Männern bei 2,7 Punkten; 5,6 % hatten mittelgradige bis schwere depressive Symptome.
Die Fragen 1 und 2 bilden die Kurzform PHQ-2 mit 0 bis 6 Punkten. Die Formulierungen folgen der deutschen Übersetzung, die auf der Website zum Fragebogen frei verfügbar ist; Vervielfältigung und Übersetzung bedürfen keiner Genehmigung.
Grenzen
- Der Summenwert allein ergibt keine Diagnose. Für eine depressive Störung nennt das Handbuch zusätzlich den Ausschluss einer normalen Trauerreaktion, früherer manischer Episoden sowie körperlicher Erkrankungen, Medikamente oder Drogen als Ursache.
- Nach dem Handbuch wurden nur wenige Übersetzungen gegen ein strukturiertes psychiatrisches Interview geprüft.
- Körperliche Erkrankungen können die Antworten zu Schlaf, Müdigkeit, Appetit und Konzentration beeinflussen.
Quellen
- Kroenke K, Spitzer RL, Williams JBW. The PHQ-9: validity of a brief depression severity measure. J Gen Intern Med. 2001;16(9):606–613.
- Löwe B, Spitzer RL, Gräfe K, Kroenke K, Quenter A, Zipfel S, et al. Comparative validity of three screening questionnaires for DSM-IV depressive disorders and physicians' diagnoses. J Affect Disord. 2004;78(2):131–140.
- Kocalevent RD, Hinz A, Brähler E. Standardization of the depression screener Patient Health Questionnaire (PHQ-9) in the general population. Gen Hosp Psychiatry. 2013;35(5):551–555.
- Kroenke K, Spitzer RL, Williams JBW, Löwe B. The Patient Health Questionnaire Somatic, Anxiety, and Depressive Symptom Scales: a systematic review. Gen Hosp Psychiatry. 2010;32(4):345–359.