Einordnung der Ergebnisse
- mRS 0–1
Keine wesentliche Behinderung
Die NINDS-rt-PA-Studien wählten den Anteil mit mRS 0–1, also keinen oder geringen Symptomen ohne funktionelle Einschränkung, als primären Endpunkt.
- mRS 2
Leichte Behinderung
Studien zu schweren Schlaganfällen mit Verschluss großer Gefäße zogen die Grenze häufig zwischen mRS 0–2 und 3–6.
- mRS 3
Mäßige Behinderung
Studien zur intrazerebralen Blutung, die mit ungünstigeren Verläufen einhergeht, zogen die Grenze zwischen mRS 0–3 und 4–6.
- mRS 4–5
Mäßig schwere bis schwere Behinderung
Hilfe bei Gehen und Körperpflege, bei mRS 5 ständige pflegerische Versorgung. In dichotomen Studienauswertungen zählt dieser Bereich zu den ungünstigen Ergebnissen.
- mRS 6
Tod
Die von van Swieten und Kolleg:innen geprüfte Fassung hatte sechs Stufen von 0 bis 5. In Studien wird Tod üblicherweise als Grad 6 ergänzt, damit die Skala das Spektrum bis zum Tod abdeckt.
Einordnung nach Broderick 2017 [3]. Die Werte beschreiben Gruppen aus Studienkohorten, keine Vorhersage für eine einzelne Person.
Hintergrund
Die Skala bewertet die Behinderung im Alltag als Ganzes, mit Schwerpunkt auf der Mobilität. Rankin beschrieb sie 1957 für die Prognose älterer Schlaganfallpatient:innen; Warlow und Kolleg:innen passten sie in den 1980er-Jahren für die britische UK-TIA-Studie an, und van Swieten und Kolleg:innen untersuchten 1988 die Übereinstimmung zwischen Untersuchenden.
Die mRS ist heute das am häufigsten verwendete Funktionsmaß in Schlaganfallstudien. Ausgewertet wird entweder die Verteilung über alle Grade oder der Anteil unterhalb einer Grenze, je nach erwartetem Schweregrad bei 0–1, 0–2 oder 0–3.
Ein unstrukturiertes Gespräch dauert etwa fünf Minuten. Strukturierte Interviews, Schulungen mit Zertifizierung und die zentrale Bewertung aufgezeichneter Gespräche sollen die Einstufung vereinheitlichen.
Grenzen
- Die Übereinstimmung zwischen Untersuchenden ist begrenzt: In einer Metaanalyse von zehn Studien mit 587 Patient:innen lag κ bei 0,46, in Untersuchungen mit mehreren Untersuchenden und Zentren bei 0,21. Der gewichtete κ-Wert lag bei 0,90; in der Studie von van Swieten und Kolleg:innen wichen die Einstufungen bei 32 von 100 Patient:innen um einen Grad und bei 3 um zwei Grade ab.
- Mit wenigen Stufen reagiert die Skala weniger empfindlich auf Veränderungen als manche andere Schlaganfallskalen.
- Die Grenzen zwischen benachbarten Graden sind nicht scharf definiert. Begleiterkrankungen und soziale Faktoren beeinflussen die Einstufung, sodass sie nicht allein die Folgen des Schlaganfalls abbildet.
Quellen
- Rankin J. Cerebral vascular accidents in patients over the age of 60. II. Prognosis. Scott Med J. 1957;2(5):200–215.
- van Swieten JC, Koudstaal PJ, Visser MC, Schouten HJ, van Gijn J. Interobserver agreement for the assessment of handicap in stroke patients. Stroke. 1988;19(5):604–607.
- Broderick JP, Adeoye O, Elm J. Evolution of the modified Rankin Scale and its use in future stroke trials. Stroke. 2017;48(7):2007–2012.
- Harrison JK, McArthur KS, Quinn TJ. Assessment scales in stroke: clinimetric and clinical considerations. Clin Interv Aging. 2013;8:201–211.