Die NIH Stroke Scale beziffert das neurologische Defizit beim akuten Schlaganfall in 15 Items, von der Bewusstseinslage über Blickmotorik, Gesichtsfeld und Motorik bis zu Sprache, Sprechen und Neglect. Brott und Kolleg:innen haben sie 1989 für Therapiestudien zum akuten Hirninfarkt vorgestellt; heute dient sie in Studien und Klinik zur Einschätzung des Schweregrads und für Verlaufsuntersuchungen.
Zu Lehr- und Informationszwecken. Kein Medizinprodukt, nicht zur Anwendung an Patient:innen bestimmt.
Diese Seiten erklären veröffentlichte klinische Scores und Formeln: Kriterien, Rechenweg, Einordnung durch die Originalquelle und Grenzen. Sie sind kein Medizinprodukt und nicht dafür bestimmt, Diagnosen zu stellen, Therapien auszuwählen oder Entscheidungen über einzelne Patient:innen zu treffen. Ergebnisse beschreiben Beobachtungen aus Studienkohorten. Die Inhalte wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und können Fehler enthalten.
Untersuchte Gruppe Patient:innen mit akutem Schlaganfall in Therapiestudien; Brott und Kolleg:innen prüften die Skala 1989 an 24 Patient:innen auf Zuverlässigkeit und an 65 auf Validität.
Ausgeschlossen oder nicht übertragbar
Kinder und Jugendliche; für sie gibt es eine pädiatrische Fassung (PedNIHSS)
Infarkte im hinteren Stromgebiet, deren Ausfälle die Skala nur teilweise erfasst
In der TOAST-Studie mit 1.281 Patient:innen mit ischämischem Schlaganfall ging ein Ausgangswert bis 6 mit einer guten Erholung einher.
7–10 Punkte
Mittleres neurologisches Defizit
In der TOAST-Studie hatten 46 % der Patient:innen mit einem Ausgangswert von 7 bis 10 nach drei Monaten ein exzellentes Ergebnis.
11–15 Punkte
Deutliches neurologisches Defizit
In der TOAST-Studie hatten 23 % der Patient:innen mit einem Ausgangswert von 11 bis 15 nach drei Monaten ein exzellentes Ergebnis.
16–42 Punkte
Schweres neurologisches Defizit
In der TOAST-Studie ging ein Ausgangswert ab 16 mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für Tod oder schwere Behinderung einher.
Einordnung nach TOAST 1999 [3]. Die Werte beschreiben Gruppen aus Studienkohorten, keine Vorhersage für eine einzelne Person.
Hintergrund
NIHSS steht für National Institutes of Health Stroke Scale; die Entwicklung wurde vom US-amerikanischen Neurologie-Institut NINDS gefördert. Die 15 Items ergeben zusammen 0 bis 42 Punkte, höhere Werte bedeuten ein ausgeprägteres Defizit. Die Fassung von 1989 enthielt noch Items wie die Pupillenreaktion, die im heutigen Untersuchungsbogen fehlen.
Der Bogen gibt feste Regeln vor: Die Items werden in der vorgegebenen Reihenfolge erhoben, gewertet wird das tatsächlich beobachtete Verhalten, und vergebene Werte werden nachträglich nicht geändert. Die Antwortoptionen hier sind gekürzte Übersetzungen des NINDS-Bogens in der Fassung von März 2025; für die Erhebung gelten dessen Wortlaut und Bildvorlagen.
Die Kodierung „nicht testbar“ (UN) sieht der Bogen nur bei Motorik und Ataxie (Amputation oder Gelenkversteifung) sowie bei der Dysarthrie (Intubation oder anderes körperliches Hindernis) vor; der Grund wird schriftlich festgehalten, im Rechner zählt die Angabe 0 Punkte. Für die übrigen Items legt der Bogen Ersatzregeln fest, etwa für die Orientierungsfragen bei Intubation oder für Sensibilität und Sprache bei Koma.
In der TOAST-Studie sank die Wahrscheinlichkeit eines exzellenten Ergebnisses pro zusätzlichem Punkt im Ausgangswert um 24 % nach sieben Tagen und um 17 % nach drei Monaten. Als exzellent galten ein Wert von 1 auf der Glasgow Outcome Scale und ein Barthel-Index von 19 oder 20 in der 20-Punkte-Fassung. Die Erhebung dauert nach einer Übersichtsarbeit etwa sechs Minuten; für Verlaufsmessungen wurde eine Änderung um mehr als 2 Punkte als klinisch relevant vorgeschlagen.
Grenzen
Gangataxie, Schwindel oder Schluckstörungen erfasst die Skala nicht, Hirnnervenausfälle nur teilweise. Ein Wert von 0 ist trotz nachgewiesenem Hirninfarkt möglich, besonders im hinteren Stromgebiet.
Sprachbezogene Items tragen bis zu 7 Punkte bei, Neglect bis zu 2. Bei gleichem Wert waren rechtshemisphärische Infarkte im Placeboarm der NINDS-rt-PA-Studie im Median etwa doppelt so groß wie linkshemisphärische.
Fazialisparese und Ataxie zeigten in der Schulungsstudie von 1994 nur eine geringe Übereinstimmung zwischen Untersuchenden (κ unter 0,40).
Als Maß der neurologischen Schädigung sagt die Skala wenig darüber aus, wie sich ein Defizit im Alltag auswirkt; dafür werden Funktionsskalen wie die modifizierte Rankin-Skala genutzt.
Die Prognoseangaben der Ergebnisbereiche stammen aus der 1999 veröffentlichten TOAST-Studie; Verläufe unter heutiger Rekanalisationstherapie können davon abweichen.